Eigenheim mit Solaranlage auf dem Dach

Ratgeber

Wenn das Netz a⁠u⁠s⁠f⁠ä⁠l⁠l⁠t

Kurz erklärt

Das W⁠i⁠c⁠h⁠t⁠i⁠g⁠s⁠t⁠e in Kürze

• Ohne Zusatztechnik trennt sich jede netzgekoppelte PV-Anlage bei Stromausfall ab, auch wenn die Sonne scheint.

• Notstrom versorgt einzelne Steckdosen aus dem Speicher. Ersatzstrom übernimmt automatisch das Hausnetz oder Teile davon.

• Nur schwarzstartfähige Systeme laufen nach leerem Speicher mit Sonnenstrom wieder an, ganz ohne Netz.

• Laut Bundesnetzagentur fiel der Strom 2024 im Schnitt nur 11,7 Minuten je Verbraucher ungeplant aus.

• Ersatzstrom ist eine Absicherung für seltene Fälle. Planen Sie ihn mit, aber bauen Sie die Anlage nicht darum herum.

Warum die Anlage a⁠b⁠s⁠c⁠h⁠a⁠l⁠t⁠e⁠t

Viele Eigentümer sind überrascht. Beim ersten Stromausfall scheint die Sonne, das Dach ist voller Module, und trotzdem bleibt das Haus dunkel. Das ist kein Defekt, sondern Vorschrift.

Ein netzgekoppelter Wechselrichter, also das Gerät, das den Gleichstrom der Module in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt, orientiert sich am Takt des öffentlichen Netzes. Fällt das Netz weg, schaltet er sich innerhalb kürzester Zeit ab. So wird verhindert, dass Strom in Leitungen fließt, an denen gerade Monteure des Netzbetreibers arbeiten.

Auch ein Batteriespeicher hilft nicht automatisch. Viele Speicher sind allein dafür ausgelegt, den Eigenverbrauch zu erhöhen. Ohne eingebaute und installierte Ersatzstromfunktion schalten sie sich bei einem Netzausfall ebenfalls ab.

Notstrom, die einfache Lösung

Die einfachste Stufe ist eine Notstromsteckdose. Bei einem Stromausfall wird sie, meist von Hand, auf den Speicher umgeschaltet und versorgt dann einige ausgewählte Geräte. Typisch sind Router, Kühlschrank, ein paar Lampen und das Laden von Telefonen.

Die Grenzen sind klar. Notstrom nutzt in der Regel nur den Inhalt des Speichers, die PV-Anlage lädt in diesem Modus häufig nicht nach. Ist der Speicher leer, ist auch die Notstromsteckdose ohne Funktion. Leistungsstarke Geräte wie Herd, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe lassen sich so nicht betreiben.

Für viele Haushalte reicht diese Variante trotzdem aus. Sie ist vergleichsweise günstig und überbrückt die kurzen Ausfälle, die in Deutschland den Normalfall darstellen.

E⁠r⁠s⁠a⁠t⁠z⁠s⁠t⁠r⁠o⁠m für das Hausnetz

Ersatzstrom geht deutlich weiter. Eine automatische Umschalteinrichtung trennt Ihr Haus bei einem Netzausfall vom öffentlichen Netz. Innerhalb weniger Sekunden übernimmt der Speicher die Versorgung, wahlweise für das ganze Haus oder für ausgewählte Stromkreise. Die PV-Anlage kann dabei weiterarbeiten und den Speicher tagsüber nachladen.

Voraussetzung sind ein ersatzstromfähiger Wechselrichter, meist ein Hybridwechselrichter, der PV-Anlage und Speicher gemeinsam steuert, und die Umschalteinrichtung im Zählerschrank.

Einphasig oder dreiphasig

Manche Systeme versorgen im Ersatzstrombetrieb nur eine Phase. Dann laufen Licht, Steckdosen und Heizungssteuerung, nicht aber Geräte, die drei Phasen brauchen, etwa Herd, Wärmepumpe oder Wallbox. Wer diese Verbraucher absichern möchte, braucht ein dreiphasiges Ersatzstromsystem mit ausreichender Leistung.

Wichtig ist auch der Unterschied zu einer USV, einer unterbrechungsfreien Stromversorgung, wie sie für Server genutzt wird. Ersatzstrom schaltet mit einer kurzen Pause um. Ein Desktop-Rechner ohne eigenen Akku startet dabei neu.

I⁠n⁠s⁠e⁠l⁠b⁠e⁠t⁠r⁠i⁠e⁠b und S⁠c⁠h⁠w⁠a⁠r⁠z⁠s⁠t⁠a⁠r⁠t

Beim Inselbetrieb versorgt sich ein Haus vollständig selbst, ganz ohne Verbindung zum öffentlichen Netz. Das ist vor allem dort ein Thema, wo es gar keinen Netzanschluss gibt, etwa bei abgelegenen Ferienhäusern. Für ein normales Eigenheim in Hamburg ist ein dauerhafter Inselbetrieb weder sinnvoll noch wirtschaftlich.

Interessant ist aber ein Begriff aus dieser Welt, der Schwarzstart. Ein herkömmlicher Wechselrichter braucht ein vorhandenes Netz als Taktgeber. Ist der Speicher bei einem längeren Ausfall leer, bleibt die Anlage aus, selbst wenn am nächsten Morgen die Sonne scheint. Ein schwarzstartfähiges System erzeugt diesen Takt selbst. Es kann sich nach einer vollständigen Entladung mit Solarstrom wieder hochfahren und den Speicher erneut füllen.

Wer sich für Ersatzstrom entscheidet, sollte deshalb nachfragen, ob das System schwarzstartfähig ist. Bei mehrtägigen Ausfällen macht genau das den Unterschied.

Was im Alltag r⁠e⁠a⁠l⁠i⁠s⁠t⁠i⁠s⁠c⁠h ist

Stromausfälle sind in Deutschland selten und meist kurz. Laut Bundesnetzagentur waren Letztverbraucher 2024 im Durchschnitt 11,7 Minuten ungeplant ohne Strom. Erfasst sind dabei Unterbrechungen ab drei Minuten Dauer. Lokale Ausfälle dauern meist Minuten bis Stunden.

Auch die Kapazität setzt Grenzen. Viele Heimspeicher sind auf den durchschnittlichen Tagesbedarf ausgelegt. Ist der Speicher am Abend bereits weitgehend entladen, bleibt für den Notfall wenig übrig. Viele Systeme erlauben deshalb, einen Teil der Kapazität als Reserve zurückzuhalten.

Im Winter wird es besonders eng. Die Sonne liefert wenig, und eine Wärmepumpe auf voller Leistung würde einen typischen Speicher in kurzer Zeit leeren. Realistisch ist dann eine Grundversorgung der wichtigsten Verbraucher.

• Heizungssteuerung und Umwälzpumpe

• Kühl- und Gefriergeräte

• Router, Telefone und Licht

• Bei Bedarf Pumpen, etwa eine Hebeanlage im Keller

Wer zu Hause auf strombetriebene Medizintechnik angewiesen ist, sollte sich nicht allein auf die PV-Anlage verlassen. Dafür gehören eine eigene unterbrechungsfreie Stromversorgung und ein Notfallplan mit Arzt oder Versorgungsdienst dazu.

Familie zu Hause im Wohnzimmer

Planung und N⁠a⁠c⁠h⁠r⁠ü⁠s⁠t⁠u⁠n⁠g

Am einfachsten ist es, Ersatzstrom von Beginn an mitzuplanen. Dann wählen wir Wechselrichter und Speicher passend aus und legen fest, welche Stromkreise im Ernstfall versorgt werden. Die Umschalteinrichtung wird bei der Montage gleich im Zählerschrank vorgesehen.

Eine Nachrüstung ist oft möglich, hängt aber vom vorhandenen Wechselrichter, vom Speicher und von der Verdrahtung ab. Einfache Notstromsteckdosen lassen sich am häufigsten nachrüsten. Vollwertiger Ersatzstrom ist vor allem dann sinnvoll, wenn ohnehin ein neuer Speicher oder ein neuer Wechselrichter ansteht.

Bei der Planung Ihrer Anlage besprechen wir mit Ihnen, welche Absicherung zu Ihrem Haus und Ihrem Sicherheitsbedürfnis passt. Grundlage ist unsere Ertrags- und Wirtschaftlichkeitssimulation, damit der Speicher in erster Linie zu Ihrem Verbrauch passt und Ersatzstrom eine sinnvolle Ergänzung bleibt.

Elektriker prüft mit Messgerät die Verkabelung im Sicherungskasten bei der Elektroinstallation

FAQ

Häufige Fragen

Nur, wenn ein dreiphasiges Ersatzstromsystem mit ausreichender Leistung installiert ist und der Speicher genug Energie enthält. Im Winter reicht ein typischer Heimspeicher dafür nur kurze Zeit. Realistischer ist, Heizungssteuerung, Kühlgeräte und Licht abzusichern.

Stromspeicher und Wechselrichter einer Photovoltaikanlage in der Garage mit Solarpanels im Hintergrund.

Weiterlesen

Das könnte Sie auch i⁠n⁠t⁠e⁠r⁠e⁠s⁠s⁠i⁠e⁠r⁠e⁠n

Wandmontierter Stromspeicher in Garage mit Solar- und Ladeinfrastruktur für den Eigenverbrauch

S⁠t⁠r⁠o⁠m⁠s⁠p⁠e⁠i⁠c⁠h⁠e⁠r

Solarstrom für den Abend. Passend dimensioniert, auf Wunsch mit Notstrom oder Ersatzstrom.

Monteure installieren eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach bei Sonnenaufgang.

Wartung und R⁠e⁠i⁠n⁠i⁠g⁠u⁠n⁠g

Prüfintervalle, Monitoring, Reinigung und Versicherung für Ihre PV-Anlage, ehrlich eingeordnet.

Luft-Wasser-Wärmepumpe an der Hauswand eines Einfamilienhauses

W⁠ä⁠r⁠m⁠e⁠p⁠u⁠m⁠p⁠e und PV

Was Solarstrom für die Heizung im Winter wirklich leistet und welche Förderung 2026 gilt.

Ihr nächster Schritt

A⁠b⁠s⁠i⁠c⁠h⁠e⁠r⁠u⁠n⁠g m⁠i⁠t⁠p⁠l⁠a⁠n⁠e⁠n

Wir zeigen Ihnen, welche Notstrom- oder Ersatzstromlösung zu Ihrem Haus passt und was sie kostet. Fragen Sie Ihre Beratung online an.