Klinkerhaus mit vollflächig schwarzem Solardach

Ratgeber

Süd ist n⁠i⁠c⁠h⁠t a⁠l⁠l⁠e⁠s

Kurz erklärt

Das W⁠i⁠c⁠h⁠t⁠i⁠g⁠s⁠t⁠e in Kürze

• Ein Süddach mit etwa 30 Grad Neigung bringt laut Verbraucherzentrale den höchsten Jahresertrag.

• Südost und Südwest liegen höchstens 5 bis 10 Prozent darunter, Ost und West etwa 10 bis 20 Prozent.

• Ost-West verteilt den Ertrag über den Tag und passt oft besser zum Verbrauch im Haushalt.

• Neigungen unter 25 oder über 60 Grad kosten laut Verbraucherzentrale bis zu etwa 10 Prozent Ertrag.

• Verschattung muss vor der Planung genau geprüft werden, schon kleine Schatten können ganze Modulreihen bremsen.

Warum Süden vorn liegt

In Deutschland steht die Sonne mittags im Süden. Ein nach Süden geneigtes Dach fängt deshalb über das Jahr die meiste Strahlung ein. Die Verbraucherzentrale nennt eine Südausrichtung mit etwa 30 Grad Neigung als Optimum für den höchsten Stromertrag.

Abweichungen kosten weniger, als viele denken. Nach Angaben der Verbraucherzentralen liegen Dächer nach Südost oder Südwest höchstens 5 bis 10 Prozent unter dem Ertrag eines reinen Süddachs. Bei Ost- oder Westdächern beträgt die Minderung etwa 10 bis 20 Prozent.

Zur Einordnung ein einfaches Beispiel. Liefert ein Ostdach 85 Prozent des Ertrags eines gleich großen Süddachs, fehlen 15 Prozent. Ist auf dem Dach Platz, lässt sich diese Lücke oft mit wenigen zusätzlichen Modulen schließen.

Diese Werte beziehen sich auf den Jahresertrag, also die gesamte erzeugte Strommenge. Für Ihre Wirtschaftlichkeit zählt aber nicht nur, wie viel Strom die Anlage erzeugt, sondern auch, wann. Genau hier wird es interessant.

Ost-West, u⁠n⁠t⁠e⁠r⁠s⁠c⁠h⁠ä⁠t⁠z⁠t⁠e Option

Eine Ost-West-Anlage liefert morgens und am späten Nachmittag mehr Strom, mittags weniger. Die Ertragskurve ist flacher und breiter. Das passt oft gut zum Alltag, denn viele Haushalte brauchen den meisten Strom am Morgen und am Abend. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass Ost- und Westdächer deshalb oft sinnvoll sind.

Mehr Eigenverbrauch zählt doppelt. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom, während eingespeister Strom nur die vergleichsweise niedrige Einspeisevergütung bringt. Wer beide Dachseiten belegt, kann außerdem mehr Module unterbringen und gleicht den geringeren Ertrag je Modul häufig über die Fläche aus.

Vorteil durch neue Einspeiseregeln

Neue Anlagen ohne Smart Meter dürfen seit dem Solarspitzengesetz von 2025 vorerst höchstens 60 Prozent ihrer Leistung ins Netz einspeisen. Eine Simulation der HTW Berlin, zitiert von der Verbraucherzentrale Hamburg, zeigt die Folgen für Anlagen ohne Speicher, die ihren Strom vollständig einspeisen. Bei Südausrichtung gingen dadurch 9,0 Prozent des Ertrags verloren, bei Ost-West nur 1,1 Prozent. Mit Speicher und gesteuertem Eigenverbrauch fallen die Verluste deutlich geringer aus.

Neigung und Dachform

Neben der Himmelsrichtung zählt der Neigungswinkel. Laut Verbraucherzentrale können Neigungen unter 25 oder über 60 Grad den Stromertrag um bis zu etwa 10 Prozent mindern. Im Bereich dazwischen sind die Unterschiede gering.

Flache Neigungen haben einen Nebeneffekt. Regen spült Schmutz schlechter ab, die Module verschmutzen schneller. Steile Dächer und Fassaden liefern dagegen im Winter bei tief stehender Sonne vergleichsweise gute Erträge, verlieren aber im Sommer.

Gauben, Dachfenster, Schornsteine und Lüftungsrohre reduzieren die nutzbare Fläche. Bei der Planung zählt deshalb nicht die gesamte Dachfläche, sondern die zusammenhängende, schattenarme Fläche, auf der sich Module sinnvoll anordnen lassen.

Das F⁠l⁠a⁠c⁠h⁠d⁠a⁠c⁠h

Auf einem Flachdach können Sie die Ausrichtung frei wählen, die Module werden auf einem Gestell aufgeständert. Zwei Varianten sind üblich.

• Südaufständerung mit steilerem Winkel, die je Modul den höchsten Ertrag bringt, aber mehr Abstand zwischen den Reihen braucht

• Ost-West-Aufständerung mit flachem Winkel, bei der die Module dicht an dicht stehen und mehr Leistung auf die Fläche passt

Welche Variante sich rechnet, hängt von Dachgröße, Statik und Verbrauchsprofil ab. Auf dem Flachdach spielt die Statik eine besondere Rolle, weil die Gestelle häufig mit Ballast beschwert statt durch die Dachhaut verschraubt werden. Die zulässige Zusatzlast muss vorab geprüft werden.

Photovoltaikanlage auf begrüntem Industriedach eines Gewerbebetriebs bei Sonnenschein

Und das Norddach?

Ein Norddach liefert deutlich weniger Ertrag als die anderen Ausrichtungen. Bei steiler Neigung lohnt sich eine Belegung in der Regel nicht. Bei sehr flacher Neigung kann es anders aussehen, weil die Module dann fast waagerecht liegen und die Himmelsrichtung an Bedeutung verliert.

Ob sich ein Norddach rechnet, lässt sich nicht pauschal beantworten. Oft ist es sinnvoller, zuerst die übrigen Flächen voll zu nutzen, etwa Garage, Carport oder Gartenhaus.

V⁠e⁠r⁠s⁠c⁠h⁠a⁠t⁠t⁠u⁠n⁠g genau prüfen

Schatten kann den Ertrag stärker beeinträchtigen als eine ungünstige Himmelsrichtung. Der Grund liegt in der Verschaltung. Module werden in Strängen hintereinander verbunden, und ein verschattetes Modul kann den Strom des ganzen Strangs bremsen.

Typische Schattenquellen sind Bäume, Nachbargebäude, Schornsteine, Gauben und Antennen. Im Winter steht die Sonne tief, Schatten werden dann deutlich länger. Ein Baum, der im Juni kein Problem ist, kann im Dezember einen Teil der Anlage abdecken. Denken Sie auch an Wachstum, ein junger Baum ist in zehn Jahren deutlich höher.

Was technisch hilft

Moderne Wechselrichter haben mehrere MPP-Tracker. Das sind Regeleinheiten, die jeden angeschlossenen Strang unabhängig am optimalen Arbeitspunkt halten. So lassen sich verschattete und unverschattete Dachbereiche oder Ost- und Westseite getrennt betreiben. In schwierigen Fällen kommen zusätzlich Leistungsoptimierer an einzelnen Modulen infrage. Entscheidend ist aber eine gute Planung, die Schatten von vornherein berücksichtigt.

Photovoltaikanlage mit schwarzen Solarmodulen auf dem Ziegeldach eines Einfamilienhauses.

S⁠i⁠m⁠u⁠l⁠a⁠t⁠i⁠o⁠n statt F⁠a⁠u⁠s⁠t⁠f⁠o⁠r⁠m⁠e⁠l

Faustregeln helfen bei der ersten Einschätzung. Für eine Investitionsentscheidung reichen sie nicht. Bevor wir eine Anlage anbieten, legen wir sie mit einer Ertrags- und Wirtschaftlichkeitssimulation aus. Sie berücksichtigt Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Ihren Verbrauch und zeigt, welche Belegung sich für Ihr Dach am meisten lohnt. Das Ergebnis erhalten Sie als schriftlichen Bericht zu Ihrem Einsparpotenzial.

FAQ

Häufige Fragen

In vielen Fällen ja. Der Jahresertrag liegt laut Verbraucherzentrale etwa 10 bis 20 Prozent unter einem Süddach, dafür ist die Erzeugung über den Tag verteilt. Das erhöht häufig den Eigenverbrauch, und mit beiden Dachseiten passen oft mehr Module auf das Dach.

Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Satteldach unter blauem Himmel.

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