Wann sich eine Solaranlage auszahlt, worauf es dabei ankommt und wie Sie die Rechnung selbst nachvollziehen, nüchtern und ohne Schönfärberei.

Ratgeber
Rechnet sich Solar noch
Kurz erklärt
Das Wichtigste in Kürze
• Selbst genutzter Solarstrom spart rund 37 Cent je kWh, eingespeister bringt bis Ende 2026 höchstens 7,70 Cent.
• Eine Kilowattstunde vom eigenen Dach kostet laut Fraunhofer ISE etwa 6 bis 14 Cent.
• Die Amortisation liegt häufig bei 10 bis 15 Jahren, die Module halten deutlich länger.
• Wer konservativ rechnet und den Eigenverbrauch erhöht, steht auf der sicheren Seite.
• Die geplante EEG-Reform macht Eigenverbrauch für Neuanlagen ab 2027 noch wichtiger.
Die kurze Antwort
Für die meisten Eigenheime mit einem geeigneten Dach lautet die Antwort ja. Fraunhofer ISE beantwortet die Frage, ob kleine Anlagen attraktive Renditen bringen können, in seiner aktuellen Faktensammlung ausdrücklich positiv. Die Stadt Hamburg nennt für Dachanlagen Amortisationszeiten von etwa zehn bis 15 Jahren. Amortisation bedeutet, dass die Ersparnisse die Anschaffungskosten wieder eingespielt haben.
Die Rendite ist allerdings kein Selbstläufer. Sie hängt davon ab, wie viel Solarstrom Sie selbst nutzen, was die Anlage kostet und wie gut Dach und Verbrauch zusammenpassen. Finanztip kommt in einem vorsichtigen Rechenbeispiel für eine 10-kWp-Anlage mit Speicher auf rund 3,6 Prozent Rendite im Jahr über 20 Jahre und auf 5,3 Prozent bei 30 Jahren Laufzeit.
Eigenverbrauch zählt
Der wichtigste Hebel ist der Eigenverbrauch. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen, ersetzt Strom aus dem Netz. Der kostete Haushalte laut BDEW 2026 im Schnitt rund 37 Cent. Jede eingespeiste Kilowattstunde bringt dagegen nur die Einspeisevergütung, für neue kleine Anlagen bis Ende 2026 höchstens 7,70 Cent.
Zwei Begriffe helfen beim Einordnen. Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms im Haus bleibt. Der Autarkiegrad beschreibt, welchen Anteil Ihres Jahresverbrauchs die Anlage deckt. Haushalte ohne Speicher erreichen laut Fraunhofer ISE, je nach Anlagengröße, eine Eigenverbrauchsquote von 20 bis 40 Prozent. Mit Speicher steigt der Autarkiegrad nach Angaben der Verbraucherzentrale auf bis zu 70 Prozent.
Wer tagsüber Wäsche wäscht, das Elektroauto lädt oder mit einer Wärmepumpe heizt, nutzt deutlich mehr eigenen Strom. Ein Energiemanager, auch HEMS genannt, steuert solche Verbraucher automatisch in sonnige Stunden.

Die Rechnung in Worten
Ob sich eine Anlage lohnt, lässt sich in wenigen Schritten nachvollziehen. Die folgende Logik nutzen auch professionelle Simulationen, nur deutlich feiner aufgelöst.
• Jahresertrag ermitteln, also Anlagenleistung in kWp mal spezifischer Ertrag je kWp
• Ertrag aufteilen in selbst genutzten und eingespeisten Strom
• Eigenverbrauch mit dem Strompreis bewerten, Einspeisung mit der Vergütung
• Laufende Kosten von etwa 1 bis 2 Prozent der Investition abziehen
• Investition durch den jährlichen Überschuss teilen, das ergibt die Amortisation
Ein vereinfachtes Beispiel mit runden Annahmen zeigt die Größenordnung. Eine 10-kWp-Anlage in Hamburg erzeugt bei 950 kWh je kWp rund 9.500 kWh im Jahr. Nutzen Sie davon 30 Prozent selbst, sparen Sie bei 37 Cent etwa 1.050 Euro. Die übrigen rund 6.650 kWh bringen bei 7,70 Cent etwa 510 Euro. Bei einem Anlagenpreis von 15.000 Euro und Betriebskosten von 1,5 Prozent bleiben gut 1.300 Euro im Jahr, die Anlage hätte sich nach gut elf Jahren bezahlt gemacht. Alterung der Module, Zinsen und künftige Preisänderungen sind darin nicht berücksichtigt.
Strompreise ehrlich gesehen
Viele Werbeprospekte rechnen mit jährlich stark steigenden Strompreisen. Die Verbraucherzentrale kritisiert Annahmen von vier bis acht Prozent Steigerung pro Jahr als zu optimistisch. Tatsächlich ist der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2026 laut BDEW leicht gesunken, vor allem weil der Bund die Übertragungsnetzentgelte bezuschusst.
Wie sich Strompreise in den nächsten 20 Jahren entwickeln, kann niemand seriös vorhersagen. Finanztip rechnet deshalb vorsichtig mit dauerhaft 30 Cent je Kilowattstunde. Diese Haltung empfehlen wir auch Ihnen. Eine Anlage, die sich mit konstanten Preisen rechnet, ist eine solide Entscheidung. Steigende Preise sind dann ein Bonus, keine Voraussetzung.
Was die Reform ändert
Die Bundesregierung hat im Juli 2026 eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auf den Weg gebracht. Nach dem Entwurf soll die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen ab 2027 entfallen. An ihre Stelle sollen eine befristete Übergangszahlung und die Vermarktung über Direktvermarkter treten. Anlagen, die bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, sollen die heutigen Bedingungen für 20 Jahre behalten.
Mitte Oktober 2026 steckt der Entwurf noch in den Beratungen von Bundestag und Bundesrat, Änderungen sind wahrscheinlich. Für die Wirtschaftlichkeit heißt das vor allem eines. Der Wert einer Anlage wird künftig noch stärker vom selbst genutzten Strom bestimmt, weniger von der Einspeisung.
Wann es knapp wird
Nicht jedes Dach ist ein gutes Investment. Ehrlich betrachtet rechnet sich eine Anlage schwerer, wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen.
• Das Dach ist stark verschattet oder überwiegend nach Norden geneigt
• Der Stromverbrauch im Haushalt ist sehr gering
• Die Dacheindeckung muss in den nächsten Jahren ohnehin erneuert werden
• Das Angebot liegt deutlich über marktüblichen Preisen je kWp
Bei einer anstehenden Dachsanierung ist die richtige Reihenfolge entscheidend. Erst das Dach, dann die Anlage, sonst zahlen Sie Demontage und Neumontage doppelt. In Hamburg kann die Dachsanierung zudem die Solarpflicht auslösen.

So prüfen wir Ihr Dach
Wir legen jede Anlage vorab mit einer Ertrags- und Wirtschaftlichkeitssimulation aus. Darin fließen Dachausrichtung, Verschattung, Ihr Verbrauchsprofil und geplante Anschaffungen wie Wärmepumpe oder Elektroauto ein. Sie erhalten einen schriftlichen Bericht zu Ihrem Einsparpotenzial und entscheiden auf einer belastbaren Grundlage, ob und in welcher Größe sich eine Anlage für Sie lohnt.
FAQ
Häufige Fragen
Weiterlesen
Das könnte Sie auch interessieren
Ihr nächster Schritt
Ihre Rechnung, nicht unsere
Wir simulieren Ihre Anlage mit Ihrem Verbrauch und vorsichtigen Annahmen. Den Bericht erhalten Sie schriftlich, die Entscheidung bleibt bei Ihnen.




